Resident Evil 2 - in Berlin dem Tod auf die Schippe gesprungen

„Das Spiel ist vorbei. Du hast verloren“, behauptet die Frau im weißen Kittel. Normalerweise hat sie ja recht. Auch in diesem Fall stirbt meine Spielfigur erst einmal einen grausamen Feuertod bevor ich das Schalterrätsel im nächsten Durchgang knacke. Ja, ohne Rücksetzpunkte wäre ich bei Resident Evil 2 verratzt. Zum Glück hat Capcom diese recht gnädig gesetzt, so dass ich bei einem Bildschirmtod nicht all zu viel Bekanntes wiederholen muss. Auch Zwischensequenzen lassen sich per Knopfdruck überspringen. Nur das zwischenzeitlich eingesammelte Zeug ist natürlich futsch. Na ja, das Inventar ist für meinen Geschmack ohnehin zu klein.  

Die meisten werden es sich schon gedacht haben: Ich hatte nach dem kurzen Gamescom-Gastspiel erneut die Gelegenheit, in die Neuauflage des Horror-Abenteuers Resident Evil reinzuschnuppern. Ein Stück im virtuellen Körper von Leon Kennedy, einen kurzen Abschnitt als Ada Wong und eine lange Passage mit Claire Redfield. Knapp vier Stunden diesmal, ganz in Ruhe in einem Konferenzraum eines Berliner Hotels. Vielen Dank dafür, Capcom. Schön dass ich wegen euch heute Nacht das Licht anlassen muss, wenn ich ins Bett gehe.  

Denn gruselig präsentiert sich die Zombie-Apokalypse in Racoon City allemal wieder. Noch immer seid ihr als der junge Polizist Leon und Überlebenskünsterlin Claire auf Zombiejagd in der Kleinstadt Racoon City. Diesmal allerdings aus der dynamischen Schulterperspektive. Damit ähnelt das Spiel sowohl dem Original als auch dem jüngsten, siebten Teil.  

Für meinen Geschmack hätten die Entwickler noch mehr der Altlasten über Bord werfen dürfen. Immerhin könnt ihr nun Gegenstände im Inventar ohne zusätzlichen Freiraum direkt kombinieren und hey, der Spielstand lässt sich an den Schreibmaschinen inzwischen jederzeit OHNE zusätzliches Farbband sichern. Doch unter anderem eine Ausweichen-Taste vermisse ich schmerzlich: Sich unter den Feindattacken hinwegducken zu können, hätte mir viel Munition und Heilkräuter gespart.  


So wie ich den statischen Kamerawinkeln und der Lastwagen-Steuerung des Oldies nicht hinterhertrauere, hätte ich auch wegen des bereits angesprochenen Inventar-Limits keine Träne vergossen. Es nervt mich einfach kolossal, wenn alle Plätze besetzt sind und ich Kram liegen lassen muss, bis ich mal wieder an einer Vorratskiste vorbeikomme. Das wiederspricht meinem Spielstil! Aber gut, das war schon vor 20 Jahren so. Verflixt, Resident Evil ist 20 Jahre alt! Dafür hat sich die Handlung gut gehalten.  

Generell habe ich während meiner Sitzung vieles von früher wiedererkannt. Einige markante Szenen in der Kanalisation zum Beispiel. Besonders erfreut es mein Zockerherz, dass die Atmosphäre tatsächlich genauso schrecklich schön ausfällt, wie damals. Es gibt allerlei sogenannte Jump Scares, bei denen euch durch ein unvorhergesehenes Ereignis fast das Herz stehen bleibt. Mir auf jeden Fall. Alleine, dass mich dieser mutierte und unbesiegbare Riesen-Tyrant in seinem Mantel durch die halbe Polizeistation von Racoon City jagt, sorgt für Adrenalin. 

In den Episoden mit Claire steigt die Räseldichte deutlich. Vieles davon ist allerdings optional und ihr überseht es leicht. So findet sich etwa in einer Notiz eine Safe-Kombination oder in einem unentwickelten Film der Code für einen Spind.       

 
Wegen des mickrigen Inventars und der (natürlich) knappen Munition solltet ihr eure Wege genau planen. Selbst Standard-Mutanten stecken einige Kopfschüsse weg und Tyrant lässt sich gar nur kurz in die Knie zwingen. Ruft ihr die Karte auf, pausiert das Spiel. So könnt ihr überlegen, wie ihr etwa am schnellsten vom Pausenraum in die Asservatenkammer, das Befragungszimmer oder den „Dark Room“ … Pardon, ins Filmlabor kommt. Den Weg versperren selbstredend gerne Türen mit immer neuen Schlössern – ihr braucht, Karo-Schlüssel, Herz-Schlüssel, Pik-Schlüssel, Schlüsselkarten … eben das volle Programm.   

Nicht die Ungeheuer alleine, auch die Musik und diese fiesen Schrittgeräusche tragen dazu bei, dass ihr euch ständig verfolgt fühlt. Bevor es aus irgendeiner Ecke mal wieder grunzt, nehmt vielleicht vorher einen großen Schluck Baldriantee als Nervenschoner zu euch. Mir hätte das jedenfalls nicht geschadet. Sogar Leon zeigt sich im Spiel beeindruckt, kommentiert er doch ein Stöhnen mit „Der Sound davon gefällt mir nicht.“ Apropos: Ich habe die englischsprachige Version getestet, zur deutschen Sprachausgabe kann ich noch nichts sagen.  

Was ich jedoch bereits jetzt versichern kann ist, dass die Geschichte spannend zu werden scheint. Ich habe nach den 20 Jahren zum Glück viele Details des Originals vergessen, so dass ich mich auf ein fast neues Abenteuer freue. Wobei, ich weiß nicht, ob ich das komplette Spiel tatsächlich noch einmal spielen möchte: Es wirkt auf mich an manchen Stellen etwas altmodisch kleinlich, etwa mit dem beschränkten Inventar oder bei den Messern mit Energieleiste. Aber das ist Geschmackssache. Bis zum 25. Januar habe ich noch Zeit es mir zu überlegen. Dann erscheint es voraussichtlich für PC, PS4 und Xbox One. Wahrscheinlich halte ich es am Ende doch wieder mit den Worten von Leon: „Was immer es braucht, um diese Stadt zu retten, zähl auf mich!“  

Euer
Onkel Jo