Arbeit, die ich meine
Frohe Neuigkeiten! Ich zähle hier nun drei, einen offline-Unterstützer eingerechnet vier Menschen. Menschen, die das, was ich tue, nicht nur ideell unterstützenswert finden, sondern ihren Rückhalt auch materiell ausdrücken. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar! Heute möchte ich euch ein bisschen von meiner (Eltern-)Arbeit erzählen und einen Text mit euch teilen, der mir zur Kraftquelle geworden ist.

Alma bleibt gern lange auf - dazu fällt mir das Bild mit der Frucht und dem Baumstamm ein - und ich frage mich des Öfteren, woher die Kraft nehmen, wenn sie spät abends noch immer mit Fragen neben mir steht oder mit einem liebreizenden "Mami, ich hab dich lieb" (und ich hätte gern ein Betthupferl). Manchmal schläft sie so spät mit dem Buch unterm Kopf ein, dass ich ein wenig um den nächsten Morgen bange, den Termin - Morgenkreis in der Waldkita. 

Wenig sieht die Welt davon. Die meiste Eltern-Arbeit kann man aus der Ferne nicht beurteilen, kaum erkennen. Im Gegenteil, während wir zwei in Streiterei, im Spiel, beim Abholen nach dem Ausflug zu ihrem Papa und in bisweilen sehr emotionalen Entwicklungsschüben gemeinsam wachsen, sieht man im Außen nur das Chaos: die Wäsche bleibt liegen, die Küche dreckig, die E-Mails warten unbeantwortet im Postfach auf bessere Zeiten, die Rechnungen stapeln sich auf dem Schreibtisch und meine Tante ist eingeschnappt, weil ich ihren Geburtstag vergessen habe. Es sieht einfach aus, als wäre nichts passiert. Beziehungsarbeit lässt sich nicht ohne Weiteres messen. 

Kraft kostet nicht nur das Elternsein, Kraft kostet auch, neben dem Elternsein noch so viel mehr sein zu müssen. Manchmal bin ich erstaunt, dass meine Kraft sich erneuert und immer noch, immer wieder irgendwoher Energie kommt. Den Zugang zur Quelle hatte ich lange entbehrt, alles schien von mir zu gehen, Energie zu kosten. Jetzt erschließe ich sie mir die Kraftquellen neu, eine um die andere. Texte, Begegnungen, Gefühlszustände, Musik, Schreiben, sinnvolle Arbeit, Alma selbst mit ihrem ansteckenden, urigen Lachen. 

Wahrlich kräftigend, öffnend, berührend, hat ein Geschenk von meiner Freundin Miriam Haerer auf mich gewirkt. Miriam, die eines Tages in die offene Lernzeit stolperte, mir die leidige Schulgeschichte ihrer beiden Söhne anvertraute und nach Alternativen, Informationen und wertungsfreiem Zuhören suchte. Die nach zweieinhalb Stunden Gespräch mit einem Buch in der Hand, vielen Adressen und hoffentlich etwas leichterem Herzen die Lernwerkstatt wieder verließ. Miriam, die dann Monate später wieder dorthin fand und berichtete, wie ihre Söhne jetzt frei lebten. Sie begann, eine offene Vorlesezeit in der Lernwerkstatt abzuhalten und kam über die Treffen und diese gemeinsame Zeit bei "Käpt'n Blaubärs 13 1/2 Leben" auch mit Alma in eine sie beide bereichernde Beziehung.

In Folge der entstandenen Freundschaft und Miriams unwahrscheinlicher Herzoffenheit, hat sie uns im November den folgenden Text geschickt (auch zum Anhören!) Ich könnte kaum dankbarer sein als für diesen Spiegel unserer liebe-vollen Mama-Tochter-Beziehung und ziehe den Hut vor Miriams Mut, klare, starke Worte zu verwenden. Es tat mir so gut, Anerkennung zu erfahren für das, was meistens beiläufig geschieht. Im Alltag verliere ich selbst manchmal den Blick für das, was ich (er)schaffe, indem ich Alma den Raum gebe, den sie braucht. Miriam hat es gesehen und aufgeschrieben.

Lest oder hört selbst: Ode an meine Freundin Alma 

Alles Liebe,

Bianca