Das Donnerstags-Desaster
Sitze mit meinem geliebten Mond im Zug nach Hause und diskutiere mit ihr angeregt die Ereignisse des zurückliegenden Weihnachtsfestes. Mond ereifert sich gerade über den schönen Brauch, den Mutter vor Jahren eingeführt hatte, nämlich die Bescherung mittels der Regel des Würfelns einer Sechs zu intensivieren, indem alle Beteiligten dann Zuschauer werden, wenn der glückliche Gewinner seinen Preis bestaunt. Unsere ganz eigene Weihnachts-Gameshow sozusagen. Und es gibt meistens nur Sieger. Letztes Jahr sogar zwei, nämlich meinem Vater und uns. Vater gewann wundervolle Hauspantoffeln, welche sämtliche Teilnehmer der Runde in haltlose Verzückung ausbrechen ließ. Vater indes gab ganz den gesetzten Mann und zeigte seine Freude sehr. .. introvertiert. Mond schwelgt eben noch in süßer Erinnerung daran, als laute Musik deutscher, abgehackter Pseudo-Dichtung, kurz Rap aus einem Smartphone- Lautsprecher quillt. Verärgert über diese Störung meiner nachweihnachtlichen Ruhe wende ich dem Störgeräusch meine Aufmerksamkeit zu. Zwei Personen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, hatten den Vierer schräg hinter uns belegt. Der Verursacher dieses grammatikalisch völlig unzureichenden Wortbreis stiert in den kleinen Bildschirm seines Taschentelefons. Als ich ihn bitte, dieses "Machwerk" auszuschalten, blökt er mich schafsgleich an. "Näää" Ich: "Warum nicht?" Er:" Mach halt deine Kopfhörer rein." Ich:"Ich wusste nicht, dass wir bereits beim Du sind." Sein älterer Begleiter beginnt, sich künstlich aufzuregen und bewirft uns mit Beleidigungen. Eine Weile ignorieren Mond und ich dieses Geschwätz, ehe sie sich erhebt, um nach dem Schaffner zu sehen. Der Ältere fängt an, zu schimpfen und wünscht sich, dass die Welt wieder auf den achten Mai 1945 zurücksprünge. Ich frage ihn, was denn die Musik seines kleinen Freundes mit historischen Daten zu tun habe. Er schaut mich komisch an und beginnt weiter zu schimpfen. Keine zwei Sekunden später neigt sich der Kleine zu dem Alten und murmelt:"Was war denn da am achten Mai? " Mond und ich schauen uns lächelnd an. Manchmal ist die Welt doch noch in Ordnung.
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