Die Ibn-Rushd-Goethe Moschee, die neueste Errungenschaft des Reformislam - (Bahamas 77 - Herbst 2017)

Berlin verfügt über ein neues Aushängeschild. Gemeint ist der Versuch von Seyran Ateş und Abdel-Hakim Ourghi, den Islam in einer Berliner Reformvariante anzubieten und dafür die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnet zu haben. In der Präambel der Moschee heißt es, dass man „sich um eine zeitgemäße und geschlechtergerechte Auslegung des Koran und der Hadithen bemüht.“[1] Ähnliches kann man auch in der Gründungserklärung des Muslimischen Forums Deutschland lesen: „Wir setzen uns ein für die Etablierung eines Islamverständnisses, das mit unseren Grundwerten und der deutschen Lebenswirklichkeit übereinstimmt. Dieses Islamverständnis soll [!] theologisch fundiert sein und daher dem Selbstverständnis einer bekenntnisgebundenen Sicht auf den Islam gerecht werden und die Rechte und Freiheiten des Individuums wahren.“[2] Vorerst artikuliert sich hier der Wunsch, dass es möglich sei, dies alles theologisch zu begründen. Es „soll“ so sein und man „bemüht“ sich drum, heißt: Es ist also (noch) nicht theologisch fundiert

Während Ateş in den Medien immer wieder betont, die zahllosen Anschläge „hätten durchaus etwas mit dem Islam zu tun“[3], sieht die „Auseinandersetzung“ mit den Widerlichkeiten des Islam von Seiten der neuen Moschee plötzlich etwas anders aus. Angesichts des Terrors von Barcelona konnte man auf deren Internetseite lesen: „Der Islam ist die Sprache Gottes und der Liebe, der Terror hat die Sprache des Teufels und des Hasses.“[4]

Hakim Ourghi („Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“) beschreibt seine Vorstellung einer Islamreform mal als „Aufklärungsprogramm“ oder „differenzierte und sachliche Islamkritik“ und dann wieder als „eine >Gegenpredigt<.“ Die Reform des Islam ist je nach diskursivem Bedarf Reformation, Aufklärung, Säkularisierung, Renaissance (wohlgemerkt des Islam), Predigt, Kritik, Modernisierung, Anpassung und Flexibilisierung, ohne freilich auch nur die geringste Differenz zwischen all diesen teilweise grundverschiedenen Phänomenen zu bemerken oder eventuell sogar zu reflektieren. Dennoch: Ourghi meine es ernst, und „deshalb scheue (er) nicht davor zurück, den Koran als religiösen Text, den Propheten Mohammad (750-632) als historische Figur (…) zu kritisieren.“ Die Kritik am Propheten findet sich, außer der Wiedergabe der drei Passagen des Korans, in dem Allah seinen Propheten selbst für Lappalien „maßregelte“, jedoch nirgendwo in seinem Buch Reform des Islam: 40 Thesen, aus dem die vorstehenden und nachfolgeden Zitate stammen. [5] Es bleibt bei völlig abstrakten Verweisen darauf, „dass der Prophet auch Herrscher war“, oder dass „das Handeln des Propheten und seiner Gemeinde [gemeint ist das Massaker an 600 Juden Medinas] aus der damaligen historischen Situation verstanden werden kann.“ Während Ourghi anfangs noch darauf besteht, dass es den einen Islam nicht gäbe und man nur Pluralformen gebrauchen könne, heißt es in der vorletzten der 40 Thesen plötzlich: „Es gab und gibt nur einen Islam. Die Grundlage für diesen einheitlichen Islam ist der humanistisch-ethische Koran, der Räume schafft, um frei zu denken und sein Leben selbstbestimmt zu gestalten.“[6]

Solch Eigentlichkeit wirkt natürlich zurück auf die Bewertung des Propheten, weshalb es auch kein Problem zu sein scheint, wenn Ourghis Kollegin Seyran Ateş in ihrem Buch zur Moscheegründung, Selam, Frau Imamin, schreibt, sie „glaube an den liebenden, barmherzigen Allah und an das positive Vorbild Mohammeds für alle Muslime.“ So ist es auch kaum verwunderlich, dass sie ebenda die Kritik am Propheten, die ihn verglichen mit Jesus als Kriegstreiber benennt, als „ungerecht“ empfindet, und meint: „Es ist wirklich nicht leicht, in Zeiten islamistischen Terrors, der sich auf unsere Religion und unseren Propheten beruft, Kritiker davon zu überzeugen (!), dass Mohammed ein guter Mensch war. Dieses negative Bild (!) zu korrigieren (!), haben wir uns als Gemeinde vorgenommen.“ Der Reformislam fungiert hier vor allem als Imageaufpolierung, denn, so Ateş weiter, „die islamistischen Attentate schaden meiner Ansicht nach ohnehin vor allem dem Islam selbst“.[7]

Goethes Islamvorliebe

Dafür werden schon im Namen der neuen Moschee schwere Geschütze aufgefahren. Wer könnte dafür geeigneter sein als der deutsche Nationaldichter Goethe, „ein Bewunderer der islamischen Mystik, Philosophie und Theologie. (…) Er selbst sah in Mohammed eine Seele voller herzlicher Liebe und Unschuld.“[8] Sich als Moschee nach Goethe zu benennen, folgt einer längeren Tradition der islamfreundlichen Propaganda. Bis zum Erscheinen dieser Bahamas-Ausgabe erschien zwar kein `Wer war Goethe?-Text´[9] von den Moscheeverantwortlichen, aber in der besagten Präambel wird schon einmal angedeutet, er sei „ein Dichter und Denker, der im Islam die Liebe zur Natur und Gott in der Natur entdeckte.“[10] Das ist erst einmal gar nicht so falsch. Verantwortlich dafür, dass der junge Goethe fälschlicherweise im Islam einen Pantheismus zu erkennen meinte, ist insbesondere Herder, der Großvater des cultural turns. Goethe hatte ferner unter anderem Voltaires Stück „Der Fanatismus oder Mahomet der Prophet“ in seiner Übersetzung – eine Auftragsarbeit, zu der er vom Herzog verdonnert wurde – massiv zu Gunsten des Islam verändert bzw. verfälscht[11], wobei Voltaires Stück ohnehin eher eine Papstkritik war. Voltaire selbst stand Mohammed recht positiv gegenüber und Goethe verteidigte dezidiert Mohammed, nicht den Papst durch seine Umarbeitungen. Goethes eigene seit seiner Jugend geplante Mahomet-Tragödie wäre nach den Skizzen in seiner Autobiographie eine ziemlich Verharmlosung geworden, die den Feldherren und Eroberer Mohammed als solchen zwar dargestellt, am Ende aber bewusst entschuldigt und ihm gar gehuldigt hätte.[12] Er verwirklichte dieses Stück aber nicht. Über die Gründe ist recht wenig bekannt. In Grundzügen lässt sich an seinen Skizzen erkennen, dass das irdische Moment (und dabei auch die Feindschaft des Propheten gegenüber der Poesie) des Islam zu sehr das poetische überwog. In eben jener Biographie und seinen Briefwechseln kann man aber auch sehen, dass die privaten Islam-Bezüge Goethes in der Regel mit Kriegsbezug bzw. Todesmut im Angesicht von Krankheit oder Gewalt einhergehen. Besonders problematisch aber ist, dass die Ironie des „West-Östlichen Divans“ oftmals einfach überlesen wird. Nur dann kann man die Aussage Goethes in der von ihm verfassten Ankündigung zu diesem Werk, nach der er als Autor "den Verdacht nicht ab[lehne], das er selbst ein Muselmann sei"[13], für bare Münze nehmen. Gerade Goethe spielte mit solchen Konfessionsbekenntnissen und bezeichnete sich wiederholt auch als Polytheisten. Überhaupt hegte Goethe eine höchst ambivalente Haltung dem Islam gegenüber, welche vor allem jene nicht erkennen können, die den Erzähler oder das lyrische Ich beständig mit dem Autor verwechseln bzw. kurzschließen, obwohl sie es schon in der Schule anders gelernt haben sollten.

Besonders ergiebig für einen Blick auf Goethes Analyse des Islam sind seine Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans[14], welche vor allem eine Analyse der persischen Dichtung und hierbei auch ihres Kontextes darstellen. Insbesondere geht es dabei um Hafis, worauf ja schon der Titel verweist, denn der „Diwan“ ist das Hauptwerk Hafis´. Die rege Beschäftigung Goethes mit dem Islam soll keineswegs verleugnet werden, diese erfolgte in der Regel immer durch die persische Poetik hindurch. In dem Abschnitt „Mahomet“ widmet er sich der Person Mohammed vor allem unter poetischen Aspekten denn diese waren für Goethe vorherrschend. Und in diesem einen Sinne ist Mohammed mit Sicherheit interessanter als Jesus. Goethe hat letztlich nicht ausreichend die Spannungen der Dichter mit ihrem Umfeld registriert, und deshalb zahlreiche Schilderungen zu sehr für bare Münze genommen. Diesen Einschränkungen zum Trotz war er aber ein wesentlich besserer Leser und schärferer Denker als heutige Lumpenintellektuelle. Seine Analyse des Korans und dessen Redundanz ist recht treffend: „Und so wiederholt sich der Koran Sure für Sure. [….] Nähere Bestimmung des Gebotenen und Verbotenen, fabelhafte Geschichten jüdischer und christlicher Religion, Amplifikationen aller Art, grenzenlose Tautologien und Wiederholungen bilden den Körper dieses heiligen Buches, das uns, sooft wir auch darangehen, immer von neuem anwidert, dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt.“ Dabei sei betont, dass die positiven Aspekte dieser Ambivalenz vor allem über die „Wirkungsmacht“ des Korans zustande kommen: „So wird doch dieses Buch für ewige Zeiten höchst wirksam verbleiben, indem es durchaus praktisch und den Bedürfnissen einer Nation gemäß verfasst worden“ sei. Festzuhalten ist, dass darin zumindest auch eine Warnung steckt, denn Goethe bestand darauf, „dass der ursprüngliche Wert einer jeden Religion erst nach Verlauf von Jahrhunderten aus ihren Folgen beurteilt werden kann.“ Und eben dies ist jenen liberalen Muslimen und linken Islamfreunden weiterhin entgegenzuhalten die meinen, dass der wahre Islam (als Sprache der Liebe) erst in der Moderne bzw. als Antwort auf jene „verfälscht“ worden sei.[15] Goethe erkannte im Gegensatz zu der Mehrheit heute sehr wohl die unterschiedlichen Gehalte in den Religionen und ihren Schriften. Keineswegs aber „wertete Goethe dabei, wie es scheint, den Islam insgesamt höher als das Christentum“, wie Jürgen Link in der FAZ gegen Thilo Sarrazin anzuführen meinte (13.01.2011). Stattdessen hielt Goethe fest: „Die jüdische Religion wird immer einen gewissen starren Eigensinn, dabei aber auch freien Klugsinn und lebendige Tätigkeit verbreiten; die mahometanische lässt ihren Bekenner nicht aus einer dumpfen Beschränktheit heraus, indem sie, keine schweren Pflichten fordernd, ihm innerhalb derselben alles Wünschenswerte verleiht und zugleich, durch Aussicht auf die Zukunft, Tapferkeit und Religionspatriotismus einflößt und erhält. […] Dagegen gebührt der christlichen das höchste Lob, deren reiner, edler Ursprung sich immerfort dadurch betätigt, dass nach den größten Verirrungen, in welche sie der dunkle Mensch hineinzog, eh man sich's versieht, sie sich in ihrer ersten lieblichen Eigentümlichkeit, als Mission, als Hausgenossen- und Brüderschaft, zu Erquickung des sittlichen Menschenbedürfnisses immer wieder hervortut.“ Auch Goethe erkannte also die Verfehlungen des Christentums als Verfehlungen, ging aber gleichzeitig soweit, sogar die Kreuzritter als Bollwerk gegen die früher drohende Islamisierung Europas zu loben: „Indessen bleiben wir allen aufgeregten Wall- und Kreuzfahrern zu Dank verpflichtet, da wir ihrem religiösen Enthusiasmus, ihrem kräftigen, unermüdlichen Widerstreit gegen östliches Zudringen doch eigentlich Beschützung und Erhaltung der gebildeten europäischen Zustände schuldig geworden.“

Der Goethe-Bezug heutiger Islam-Apologeten setzt ihn als einen Quasi-Heiligen der Aufklärung, in der Hoffnung, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung oder gar Kritik, die an manchen Stellen der Islam-Bezüge des großen Genies durchaus Not tut, unterbliebe.[16] Zudem sollte man nicht vergessen, dass Goethe aus einem streng protestantischen Elternhaus stammte. Die geistige Verbindung des Protestantismus zum Islam hatte Goethe wiederholt bemerkt, aber wenig reflektiert. In dem verklärend-unwahren Bezug auf Goethe, der Ignoranz bis Leugnung der „unaufhebbaren Differenz zwischen dem Poeten und dem Propheten“, wie Necla Kelek es treffend formulierte, zeigt sich zum einen der autoritäre Zugriff der Reformmuslime auf „große Namen“, zum anderen entlarvt er die Verantwortlichen auf ihre Art ebenfalls als jene „Wächter des Islam“, gegen die Kelek ihre zitierten Worte richtete.[17]

Ibn Rushd und Rumi

Mit Bezug auf Ibn Rushd verkünden die Vertreter der nach ihm benannten Moschee: „Der Koran soll uns herausfordern. Er soll interpretiert werden.“[18] Ibn Rushd, der Arzt und Philosoph aber kein Theologe war, ist in seinen theologischen Bezügen selten so willkürlich verfahren wie heutige liberale Muslime. Seine Interpretationen bezogen sich meist auf recht abstrakte Fragen (die Erschaffung der Welt, Auferstehung etc), welche für die Liberalen keine besondere Bedeutung zu haben scheinen. Absurd ist schon, dass man überhaupt von Islamischer Philosophie spricht. Ibn Rushd war Früh- oder Voraufklärer. Er wurde als Ungläubiger gebrandmarkt und es ist zu vermuten, dass gerade er heute Ex-Muslim wäre. Liest man seine Schriften, wird schnell klar, dass für ihn der Islam eine äußere Klammer war, mit der er sich auseinandersetzen musste. Zu vergleichen wäre dies vielleicht mit dem Christentum Kants, den niemand einen christlichen Philosophen schimpfen würde. Zuvorderst wäre zu fragen, wer Ibn-Rushd überhaupt gelesen hat. In der Regel dient schlichtweg sein Name als angeblicher Beweis einer islamischen Frühaufklärung. Diese Argumentation ist von seinen Schriften wie auch deren Rezeptionsgeschichte erstaunlich unberührt. Al-Ghazali und Ibn Taimiya, der Großvater des Salafismus, haben im Namen der Religion den Streit gegen die Philosophie und dabei vor allem gegen Ibn Rushd gewonnen, und dies ist kein bloßer Zufall, denn der Islam ist als eine schlechte Radikalisierung bzw. als eine Radikalisierung der schlechten Anteile des Christen- und Judentums auf den Plan der Weltgeschichte getreten. Die Aufklärung hat sich aus einem jüdischen und christlichen Kontext – man könnte auch ganz konkret sagen, aus dem Judentum und Christentum – erhoben, und damit eben auch gelöst. Ironischerweise hat der Islam etwas Ähnliches vollbracht, aber auf umgekehrte Weise. Mohammed ist höchstens die Nachgeburt, keinesfalls aber das „Siegel“ der Propheten, als das er sich selbst gerne bezeichnete. Der Islam ist quasi Gegenaufklärung vor der Aufklärung; bildlich gesprochen also eine Verdüsterung der jüdisch-christlichen Traditionslinie durch einen krassen Rückfall hinter diese, die gerade jene Momente verriet, welche später in die Aufklärung mündeten. Ibn Rushd hatte im Endeffekt wesentlich mehr Einfluss auf Juden, und später auf Christen, als auf Muslime. Es gab (so gut wie) keinen islamischen Averroismus. Anzumerken ist, dass auch er streckenweise in jenes Suren- oder Vers-Bingo verfiel, das heute oftmals als allgemeingültiges Prinzip behauptet wird.[19]

Weil sich die Moscheeverantwortlichen „in der Tradition historischer Vordenker eines liberalen, aufgeklärten Islam“ sehen, berufen sie sich neben Ibn Rushd in der Präambel der Moschee auch auf den persischen Sufi-Mystiker und Dichter Rumi.[20] Gerade Rumi hat sich nie vom Koran oder auch nur Mohammed distanziert, sondern sich im Gegenteil als treuer Diener präsentiert: „Ich bin Diener des Koran, solange ich am Leben bin. Ich bin der Staub auf dem Pfade Mohammeds, des Auserwählten. Wenn irgendjemand irgendetwas außer dies von meinen Lehren zitiert, distanziere ich mich von ihm und bin empört/angeekelt über diese Worte.“[21] Die „Logik“ bzw. „Aufklärung“ des Mystikers Rumi, der im Gegensatz zu Ibn Rushd die Religion im Zweifelsfall immer der Vernunft überordnete, die er eh nicht schätzte, sieht übrigens wie folgt aus: „Der Heilige besteht in Gott, und deshalb sind seine Taten Gottes Taten. Wir würden Gott keinen Missetäter nennen. Der Prophet machte Überfälle, mordete und vergoss Blut, aber die Ungläubigen waren die Missetäter und dem Propheten war Unrecht getan.“ (Diskurs 12) Oder: „Der Prophet sagte, `Ich lache, wenn ich töte´ [eher: wenn ich Menschen schlachte]. Das bedeutet, er tötet auf eine Art und Weise, so dass sich die Ungläubigen nicht auf hundert Arten töten. Also lacht er natürlich, wenn er tötet.“ (Diskurs 30) Rumi hat unzählige weitere Verse und Widerlichkeiten des Propheten und seines Anhangs auf ähnliche Weise gerechtfertigt und beschönigt. Er war ferner maßgeblich beteiligt an der Etablierung des „Großen Dschihads“ gegen die Lust und Begierden.[22] Keineswegs war oder ist der Sufismus eine per se tolerante oder aufgeklärte Strömung des Islam. Über weite Strecken waren die Sufis wesentlich rigider und lehnten in ultraorthodoxer Manier nicht nur Verbotenes ab, sondern auch „Verpöntes“ und „Zweifelhaftes“. Sie waren nicht nur beteiligt, sondern immer wieder auch maßgeblich verantwortlich für die zahllosen puritanischen Bewegungen, welche sich durch die gesamte Geschichte des Islam ziehen und keineswegs einfaches Produkt der Moderne sind. Schon früh waren Sufis an der moralischen Indoktrinierung der Kämpfer an der Front des Haus des Krieges beteiligt, wie auch an der ernsthaften Missionierung der unterworfenen Bevölkerung, deren Unterwerfung den Sufis nur als Lippenbekenntnis galt.[23] Dies zog sich bis weit in die Moderne. 

Es scheint, als hätten die Betreiber der Ibn-Rushd-Goethe Moschee gGmbH auch Rumi nie über eine Sammlung „Bester Zitate“ hinaus gelesen, was jedoch wahrlich nicht schaden würde – man kann viel von Liebe lesen, von religiöser Trunkenheit, sogar von Wein – eine Metapher, die aber immer nur die Liebe Gottes meint und niemals das echte Getränk. Im Endeffekt ist sich aber eher dem anzuschließen, was der zweite Namensgeber des Gotteshauses, Goethe, über Rumi urteilte: „Seine Werke sehen etwas bunt aus; Geschichtchen, Märchen, Parabeln, Legenden, Anekdoten, Beispiele, Probleme behandelt er, um eine geheimnisvolle Lehre eingängig zu machen, von der er selbst keine deutliche Rechenschaft zu geben weiß.“ Bei Rumi kommen in extremster Form zahlreiche Einflüsse des Sufismus zur Geltung, seien es Hellenismus, Neuplatonismus, Gnostik, Christentum, altiranische Lichtkulte und selbst der Buddhismus, ohne aber außerhalb der Mystik wirklich Sinn zu ergeben.[24] In erster Linie war Rumi ein Asket, der alle Begierden in Glaubenspraxen (Fasten, Meditation etc) überführen wollte. Angestrebt wurde von ihm eine spirituelle Entweltlichung des Diesseits: „Klage nicht, dass du in Fesseln seist geschlagen. Klage nicht, dass du der Erde Joch musst tragen. Klage nicht, die weite Welt sei ein Gefängnis; zum Gefängnis machen sie nur deine Klagen.“ Gleichzeitig raubte er aber auch das Versprechen des Jenseits, denn es geht um die spirituelle Erfahrung.[25] So ist es wahrlich kein Wunder, dass der oberflächig entislamisierte Rumi in erster Linie von US- und Euro-Esoterikern gelesen wird.

Wieso Reformmuslime nicht lesen können

Allein der Bezug auf Goethe, Ibn Rushd und Rumi verweist auf den Charakter des „liberalen“ Islam. Ein Koran-Vers, auf den sich Ibn Rushd bezog, um zu belegen, dass der Koran zur Reflexion auffordere, und der auch explizit von den Verantwortlichen der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee als Legitimation angeführt wird, ist der Vers 2 der Sure 59: „Denkt (darüber) nach, (ihr alle) die ihr Einsicht habt!“ [26] Liest man diesen Vers einfach mal im Ganzen um zu sehen, worauf man sich eigentlich bezieht, kann man einmal mehr verstehen, wieso die islamische Reaktion so leichtes Spiel hat. Und schließlich betont Seyran Ateş selbst, zur Kritik oder Reform „müssen wir den Koran und die Hadithe kennen.“ Sie hebt sogar hervor: „Überhaupt ist die Aussage nicht zu verstehen, wenn man den Hintergrund nicht kennt und die vorangegangenen sowie nachfolgenden Verse unberücksichtigt lässt.“[27] Der Vers 2 der Sure 59 lautet nun in der Gänze: „Er ist es, der diejenigen von den Leuten der Schrift, die ungläubig sind (gemeint sind die jüdischen Banū Nadīr in Medina) aus ihren Wohnungen vertrieben hat, an den Ort ihrer Verbannung. (Eine zweite Versammlung wird sie dereinst in die Hölle bringen(?).) Ihr glaubtet nicht, dass sie wegziehen würden. Und sie meinten, ihre Befestigungen würden sie vor Gott schützen. Da kam Gott (mit seiner Gewalt) über sie, ohne dass sie damit rechneten, und jagte ihnen Schrecken ein, worauf sie eigenhändig und mit Hilfe der Gläubigen ihre Häuser zerstörten. Denkt (darüber) nach, (ihr alle) die ihr Einsicht habt!“

Positiv Bezug genommen wird hier ausgerechnet auf eine der mit Waffengewalt erfolgten Vertreibungen der Juden aus Medina, welche als Beweis der göttlichen Fügung Mohammeds gelten soll. In den meisten anderen Übersetzungen heißt es demnach auch: „Zieht die Lehre daraus, ihr Einsichtigen!“ bzw. „Nehmt euch ein Beispiel, ihr Einsichtigen!“ Der Satz ist eine mit einem handfesten Beispiel untermauerte Warnung an alle Zweifler (sowie an Juden), keine Anweisung zur freien Philosophie. Weiter geht es in der Sure mit der Verteilung der Beute, welche man den Juden abgenommen hatte, und die der Prophet in diesem Fall für sich allein beanspruchte. Mit dem ersten Satz dieses Verses begann das Bekennerschreiben des IS zu den Anschlägen in Paris am 13. November 2015, bei denen 130 Menschen niedergemetzelt wurden.[28] „Jagte ihnen einen Schrecken ein“ bezieht sich auf einen von Mohammed beauftragten Mord an einem der wichtigsten jüdischen Medinenser. In solch einem Bezug auf den Koran bringen es die Liberalen fertig, sowohl theologisch völlig fragwürdig zu argumentieren als auch gleichzeitig die judenfeindlichen Teile des Korans zu verwenden, ohne darauf auch nur hinzuweisen. In diesem Sinne verweigern sie die Aufklärung über den Islam gleich doppelt, wirken mit am abstrakt kritisierten Verschweigen der „dunklen Seiten in den Quellen des Islam“, daran, dass „diese radikalen Koraninhalte (weiter) verharmlost und ignoriert werden“ und an der „Dynamik des Verdrängens“ – an Dingen also, die sie selbsterklärt angeblich nicht mehr länger akzeptieren wollen.[29]

Die These, dass der Koran zum freien Denken auffordere, kann durchaus als Hauptargument der Reformislamisten bezeichnet werden. In der Freitagspredigt der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee vom 18. August 2017, die unter dem Titel „Menschenrechte im Islam“ abgehalten wurde, geht dieses freiassoziative Vorgehen weiter. Hier bezieht man sich auf Sure 8 (Vers 22/23), um die im Koran angeblich vermittelte menschliche Gedankenfreiheit zu betonen. Bei dieser Sure mit dem Titel al-Anfal, zu Deutsch die Beute, handelt es sich ausgerechnet um eine der kriegerischsten Suren des gesamten Koran. Sie beginnt mit dem Satz: „Man fragt dich nach der (Kriegs)beute. Sag: Die (Kriegs)beute kommt Gott und dem Gesandten zu.“ Weiter geht es folgendermaßen: „Aber Gott wollte durch seine Worte der Wahrheit zum Sieg verhelfen und die Ungläubigen ausrotten (Vers 7), um der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen und Lug und Trug zunichte zu machen, auch wenn es den Sündern zuwider war.“ (Vers 8) Oder: „Haut (ihnen mit dem Schwert) auf den Nacken und schlagt zu auf jeden Finger von ihnen!“ (Vers 12) bzw. „Wenn jemand gegen Gott und seinen Gesandten Opposition treibt (muss er dafür büßen). Gott verhängt schwere Strafen“ (Vers 13) und „Und kämpft gegen sie, bis niemand (mehr) versucht, (Gläubige zum Abfall vom Islam) zu verführen, und bis nur noch Gott verehrt wird!“ (Vers 39) Weiter geht es mit den Regelungen zur Verteilung der Beute von überfallenen Karawanen. Anstatt irgendetwas von diesem „Framing“ auch nur zu erwähnen, zitiert man aus diesem Schlachtpathos also die Verse 22 und 23 [„Wahrlich, als die schlimmsten Tiere gelten bei Allah die Tauben und Stummen, die keinen Verstand haben. Und hätte Allah etwas Gutes in ihnen erkannt, hätte er gewiss sie hörend gemacht. Und wenn Er sie hörend macht, so werden sie sich in Widerwillen wegwenden.“] In der Freitagspredigt vom 18. August wird mit Verweis darauf der Hinweis auf die angebliche Aufforderung zum Denken verknüpft: „Immer wieder lädt Allah den Menschen zum Nachdenken ein. Sie sind manifestiert in rund 300 Versen des Koran. Leider übersehen wohl einige Muslime diese Aufforderungen.“ [30] Zu „übersehen“ gibt es hier jedoch nichts, denn diese angebliche Einladung ist nicht vorhanden. „Nachdenken“ ist im Koran immer verbunden mit einem einzigen legitimen Ergebnis – die Unterwerfung unter Allah und Mohammed. Wie man in der selben Sure, Vers 55, lesen kann: „Als die schlimmsten Tiere gelten bei Gott diejenigen, die ungläubig sind und (auch) nicht glauben werden (?) (oder: und (um alle Welt) nicht glauben wollen?)“ Schon die sprachliche Figur „Als die schlimmsten Tiere gelten bei Gott diejenigen“ stellt die Verbindung zum obigen Zitat dar. Wer übersieht hier also was? „Denkt nach, Ihr die Ihr Verstand habt…“ und ähnliche Formulierung sind im Koran immer eine Drohung – und das tatsächlich um die dreihundert Mal im Koran. Es gehört schon einiges dazu, diese Redundanz zu übersehen oder zu verschweigen. Eventuell sollte man aber auch den Vers 65 aus der obigen Sure 8 mit einbeziehen: „Prophet! Feure die Gläubigen zum Kampf an! Wenn unter euch zwanzig sind, die Geduld (und Ausdauer) zeigen, werden sie über zweihundert, und wenn unter euch hundert sind, werden sie über tausend von den Ungläubigen siegen. (Das geschieht diesen) dafür, daß es Leute sind, die keinen Verstand haben.“ Eben dies ist die Sprache Gottes und in dieser Sprache wird genau zu dem aufgefordert, was sich momentan in widerlicher Regelmäßigkeit ereignet: So viele Ungläubige (die keinen Verstand haben, der sie dazu anhält, sich zu unterwerfen) wie möglich mit in den Tod zu reißen, damit der Islam irgendwann völlig triumphiere. 

Auch bei Ourghi kann man lesen: „Sogar der Koran selbst verpflichtet (!) die Menschen dazu, seine Verse zu reflektieren. In der Sure 47, Vers 24 ist die Rede davon, dass sie die Muslime Gedanken über den Koran machen sollen, sonst wäre sie gegen jede Einsicht versperrt.“ (Ourghi, S. 84) Es geht aber hierbei wieder nur um eine einzige Einsicht, die Sure richtet sich an jene, die aus Angst dem „Kampf gegen die Ungläubigen“ fernbleiben (Vers 20) und von denen der Koran „Gehorsam“ fordert (Vers 21). Die „Einsicht“ laute demnach: „Ihr Gläubigen! Gehorcht Gott und seinem Gesandten und macht eure Werke nicht durch Akte des Ungehorsams zunichte. (…) Lasst nun in eurem Kampfwillen nicht nach und ruft die Gegner nicht vorzeitig zum Frieden, wo ihr doch die Oberhand haben werdet.“ (Vers 33-35) Doch Ourghi meint, der „Koran ist Weisheit (Koran 62:2).“ (S. 90) die hier als Beleg angeführte medinensische Sure, namens Freitag, ist eine durch und durch antijüdische. In seiner gezwungenen Rechtfertigung der Vorbildfunktion des Propheten (33:21; bei ihm verdreht zu 21:33) rühmt er Mohammeds „Mut und Tapferkeit bei der Verteidigung seiner muslimischen Gemeinde“ während der „Grabenschlacht“. (S. 120f) Jeder aber, der ein paar Zeilen weiterliest, würde sehen, dass sich die Vorbildfunktion auf noch eine andere Begebenheit bezieht, die sich direkt nach jener Schlacht ereignete: 

„Und er ließ diejenigen von den Leuten der Schrift, die sie (d.h. die Ungläubigen) unterstützt hatten, aus ihren Burgen herunterkommen und jagte ihnen Schrecken ein, so daß ihr sie in eure Gewalt bekamet und zum Teil töten, zum Teil gefangennehmen konntet. Und er gab euch ihr Land, ihre Wohnungen und ihr Vermögen zum Erbe, und (dazu) Land, das ihr (bis dahin noch) nicht betreten hattet. Gott hat zu allem die Macht.“ (33:26f) 

Dies meint die Ermordung aller männlicher und Versklavung aller weiblichen und nicht erwachsenen Mitglieder des letzten jüdischen Stammes in Medina. Die Umma war nach der Aneignung der nunmehr „entjudeten“ Besitztümer finanziell abgesichert – es war ein wichtiger Bestandteil der ursprünglichen Akkumulation des Islam. Nun wird dies nicht nur „verdrängt“, sondern an ganz anderer Stelle ohne Erwähnung dessen, was passierte, auch noch gerechtfertigt. Das Massaker könne einfach „aus der damaligen historischen Situation verstanden werden.“ Immerhin „gefährdete die Präsenz einer anderen Religionsgemeinschaft in Medina die religiösen und politischen Ansprüche der neuen Religion.“ (Ourghi, S. 209) Auch der lockere Hinweis von Ateş, dass man „nicht das Gewaltschutzgesetz von heute zur Hand nehmen (könne), um das Verhalten von muslimischen Männern aus dem 7. Jahrhundert danach (zu) beurteilen“ (Ateş, S. 230) verkennt, dass es keinen einzigen Hinweis auf ein ähnliches und früheres Massaker unter den heidnischen Arabern gegeben hat. Im Gegenteil finden sich mehrere Hinweise, die darauf schließen lassen, dass jenes Massaker auf der arabischen Halbinsel eindeutig dem bis dahin geltenden Zeitgeist widersprochen hat.[31] Wobei es natürlich schon einigermaßen absurd ist, zu suggerieren, man könne von einem Propheten nicht mehr als den Zeitgeist oder von einem gewöhnlichen historischen Herrscher erwarten. Vor allem aber rationalisiert es die sich in den Quellen immer wieder zeigende Paranoia des Propheten. Laut Ateş müsse man die gewalttätigen Passagen des Korans ignorieren, denn „die islamische Gemeinschaft muss im 21. Jahrhundert beispielsweise nicht mehr um ihre bloße Existenz kämpfen, wie es in der Entstehungszeit des Islam der Fall war.“ (Ateş, S. 70) Diese Passagen bezögen sich „ausschließlich (!) darauf, dass die junge Gemeinschaft sich vieler Feinde zu erwehren hatte. In dieser konkreten Situation wurde ihnen offenbart, dass sie sich zur Wehr setzen dürfen und gegebenenfalls (!) Krieg führen müssen (!), um sich und die eigenen Angehörigen sowie ihre Religion zu verteidigen.“ (Ateş, S. 74) Dies sei schlichtweg in allen Religionen der Fall, meint ferner Ateş, der es anscheinend nicht in den Kram passt, dass man von Jesus nicht eine solcher Aussagen kennt. Auch müsste sie erläutern, inwieweit die Überfälle auf Karawanen und Oasen, die (anfangs) ausschließlich von den Jungmuslimen ausgingen, eine „Verteidigung“ darstellen; inwieweit „gegebenenfalls“ mit den rund 75 Feldzügen zusammenpasst, die der liebenswerte Mohammed in nur zehn Jahren anführte oder anordnete, weshalb dieser Bereich seiner Biographie mit der Maghāzī-Literatur eine eigene Literaturgattung bildet. Die Rechtsfertigungen des Bereicherungskampfes der jungen muslimischen Gemeinde (besonders Ateş, S. 68f) unterscheiden sich in keinster Weise von jener der Ottonormalmuslime.[32] Vor allem aber konservieren sie die Passagen in einer Art Abruf auf Vorbehalt. Jedes Gefühl der Bedrohung, das sowieso schon immer als ein Hauptmotiv von Seiten der radikalislamischen Menschenfeinde angeführt wird, setzt die Mord- und Kriegsaufrufe des Korans wieder ins Recht.

Die Willkür der Reformmuslime ist nicht einfach stümpferhaft zu nennen, sondern tendenziell gefährlich weil durchaus mit Vorsatz betrieben. So werden Koranpassagen beworben, die bei der Lektüre notwendig zu anderen Schlüssen führen müssen. Exemplarisch noch einmal bei Ourghi, der völlig abstrakt darüber berichtet, wen Gott alles „liebt“ – so liebe Gott, laut Ourghi, „die Bußfertigen, die sich von der Sünde abkehren (Koran 2:222)“ (Ourghi, S. 147). Aber er vergisst zu erwähnen, dass hiermit in erster Linie jene Frauen angesprochen sind, die sich ihrer Menstruation so sehr schämen und Männer, die sich vor ihr ebenso sehr ekeln, wie der Verkünder dieses Passus, der Frauen schon im nächsten Vers als „Saatfeld“ ihrer Männer beschreibt. Andererseits verschweigt er, dass Gott in einem seiner Beispiele vor allem jene liebt, die „für den Krieg um Gottes willen“ spenden. (2:195) Noch fataler wird es aber, wenn jener Leiter des Fachbereichs für Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg nach seiner Aufzählung von Verweisen auf jene Stellen über „Menschen, die Gott nicht liebt“ urteilt: „Fasst man all diese Aussage zusammen, dann handelt es sich stets (!) um Menschen, die sich Gott oder ihren Mitmenschen gegenüber böse verhalten.“ (Ourghi, S. 148) Schlägt man seine Beispiele „derjenigen, die Böses taten“ nach, erfährt man, dass einmal jene Muslime gemeint sind, die in ihrem Kampfwillen nachlassen (3:140), Apostaten (3:32) und in mehreren Fällen die Juden (3:57; 5:64; 7:167). 

Von eben jenen Juden aber, die ihr Prophet wahrlich nicht liebte, „stehlen“ die Reformatoren des Islam nun ausgerechnet das jüdische Tötungstabu und geben es einfach als islamisches aus. (Ateş, S. 70ff.; Ourghi, S. 171f.) Beide beziehen sich auf Sure 5, in der es mit Bezug auf Kain und Abel im Vers 32 heißt: „Aus diesem Grund (d.h. aufgrund dieses Brudermords) haben wir den Kindern Israels vorgeschrieben, daß, wenn einer jemanden tötet, […] es so sein soll, als ob er die Menschen alle getötet hätte.“ Nur verweist „Kinder Israels“ sehr eindeutig darauf, dass es ein Verbot nur für die Juden ist, weshalb der Koran auch fortfahren kann: „Der Lohn derer, die gegen Gott und seinen Gesandten Krieg führen und überall im Land eifrig auf Unheil bedacht sind, soll darin bestehen, daß sie umgebracht oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen wechselweise (rechts und links) Hand und Fuß abgehauen wird, oder daß sie des Landes verwiesen werden.“ (5:33) Wenn Ateş nun ernsthaft meint, „allerding wird auch hier oft die Fortsetzung unterschlagen“ (S. 71), welche schließlich die Barmherzigkeit des Islam präsentiere, irrt sie gewaltig, denn es heißt dort: „Ausgenommen diejenigen, die umkehren, noch bevor ihr Gewalt über sie habt. Ihr müßt wissen, daß Gott barmherzig ist und bereit zu vergeben.“ Gnade verdienen demnach nur jene, die „Verstand genug haben“, sich zu unterwerfen, bevor sie von den muslimischen Heeren unterworfen wurden. 

„Wahrlich, oh Ihr Menschen, Wir erschufen Euch aus einem Mann und aus einer Frau,
Und Wir machten Euch zu Völkern und Stämmen, Damit Ihr einander kennenlernt.“ (Sure 49, Vers 13) Wer hieraus aber ableitet, „folglich ist es angebracht, im Laufe des Lebens seine Ansichten zu ändern, beziehungsweise sie an neue Situationen anzupassen,“[33] lese einfach einmal weiter: „Die wahren Gläubigen sind diejenigen, die an Gott und seinen Gesandten glauben und hierauf nicht Zweifel hegen, und die mit ihrem Vermögen und in eigener Person um Gottes willen Krieg führen. Sie sind es, die es ehrlich meinen.“ (Vers 15)

Es ist eine intellektuelle – und nicht einfach nur theologische – Blamage, wenn man in der Regel nur ein paar Zeilen weiterlesen muss, um zu begreifen, dass nahezu alle Zitate völlig aus dem Kontext gegriffen sind. Es mag fragwürdig erscheinen, dem liberalen Islam seine mangelnde Verbindlichkeit vorzuwerfen. Und doch muss man es, da sein Geschäft schlichtweg auf eine Absage an Objektivität und Wahrheit hinausläuft und damit auch darauf, was man sich selbst zum Ziel gesetzt hat: „Und weil wir hier, die versammelt sind nachdenken, sich kritisch mit den Werten, kritisch mit den islamischen Schriften, ja sich kritisch sogar mit dem Koran auseinandersetzen wollen, deshalb feindet man uns an und arbeitet daraufhin, unsere Moschee in Diskretion zu bringen.“[34] Trotz real existierender innerislamischer Feindschaft und grenzenloser Diskreditierung, eine solche Kritik ist bislang keineswegs erkennbar. Stattdessen lässt sich nur der laue Versuch einer Art Gegenpropaganda konstatieren.

Vor diesem Hintergrund verweist die in der vorliegenden Form falsche Behauptung von sowohl Ourghi als auch Ateş, dass der Islam nicht vernunftfeindlich sei[35], auf einen anderen abstoßenden Aspekt. Ourghi bringt ihn zum Ausdruck, wenn er, wie der Koran selbst und alle anderen Islamgelehrten, mit einigem Stolz verkündet, „dass Mohammed ein Mensch ohne Wundergaben sei.“[36] Eben dies aber ist Anzeichen dafür, dass im Islam so gut wie kein Unterschied zwischen Verstand und Glaube existiert und somit kein theologischer Überschuss. Horkheimer hat genau das in seiner Schrift über „Die Aktualität von Schopenhauer“ festgehalten: „Das Christentum bekennt Demut und Liebe als sein innerstes Wesen.“ Dagegen vermerkt er, dass „der Islam, den Schopenhauer deshalb hasste, weil er dem kollektiven Fanatismus, der brutalen Positivität unter allen Religionen am weitesten entgegenkam, […] dem Erwachen wilder Volksstämme besser [entspricht] als die Religion des Kreuzes, deren Aufbrüche ihrem Wort und Geist seit je zuwider waren.“[37] Für Horkheimer findet sich im Christentum eine Trennung von Theorie und Praxis, wobei die Praxis oftmals der christlichen Lehre oder Moral widerspricht. Gerade dies ist im Islam kaum der Fall. Auf eine verquere Art ist es für Männer eben durchaus „vernünftig“ sich dem Islam zu unterwerfen. Gerade dies ist ein Grund, wieso sich materialistische Kritik dieser Religion zuwenden muss. Charles C. Torrey hat vor ewiger Zeit schon auf den „rationalen“ Charakter des Korans hingewiesen: „Allah ist der ideale Kaufmann.“[38] Der Islam verspricht in einer Kaufmannssprache Lohn; der Glaube erscheint als Geschäft. Zu erweitern wäre dies um den Feldherrencharakter. Ein zentraler Charakter des Islam ist die Verschmelzung von Glauben und instrumenteller Vernunft. Die Geschichte des Frühislam ist nicht nur eine Eroberungs- und Beutegeschichte. Zahlreiche Neuzukömmlinge wurden darüber hinaus bestochen und die Almosensteuer (Zakat) ist zum Teil genau dafür gedacht. Berechtigt zum Empfang dieser sind unter anderem „Personen, die damit für den Islam gewonnen werden sollen“. Der Islam war schon zu den Zeiten des prophetischen Stifters eine auf Herrschaft und Ausbeutung ausgerichtete Ideologie. Als „Beweise“ oder „Zeichen“ der göttlichen Allmacht gelten entweder die bloßen Naturgesetze und ihre Erscheinungen, wie zum Beispiel Regen oder die Fortpflanzung, und zum anderen, sehr viel eindrucksvoller und überzeugender, die militärischen Erfolge und Beuteeinnahmen der Umma. Der Realismus der Macht war immer bedeutender als der kaum vorhandene theologische Gehalt.

Halbierung des Koran und Mohammeds

Interpretation hat ganz allgemein ihre Grenzen, will sie noch Interpretation sein. Der Koran-Exegese kann man schlecht mit einer Eisegese begegnen, bei der man Dinge in dieses Buch hineinliest, die schlichtweg nicht darin enthalten sind oder Zitate völlig aus ihrem Kontext reißt. Die Isolation von Textstellen stellt eine enorme Hürde für die Betrachtung von Religionen dar, scheint aber für liberale Muslime, Kritiker der Islamkritik wie auch vermeintlichen Kritiker des Christentums eine notwendige Methode zu sein. Wer meint, dass der Islamismus bestrebt ist, zum frühsten, wahren Islam zurückzukehren, und denkt, dass der Reformislam ein probates Mittel dagegen darstellen würde, verkennt er, dass auch der Reformislam genau diesem für die Durchsetzungsgeschichte des Islam so zentralen Anspruch folgt. Dieser ist jedoch schlichtweg bestrebt, in der Geschichte des Islam noch weiter zurückzukehren, als es der Salafismus unternimmt, da dort der wahre, ewige Islam zu finden sei. Vor allem Abdel-Hakim Ourghi versucht seit einiger Zeit, den problematischen Charakter des Islam auf eine Entstellung zurückzuführen, die erst in Medina eingesetzt habe. Er versucht den Islam zu retten, indem er die medinensischen Offenbarungen einfach für unverbindlich oder sogar ungültig erklärt. Sein Vorhaben wäre also „umgekehrte Abrogation“ zu nennen.[39] Das ist zum einen theologisch völlig willkürlich und problematisch. Zum anderen aber verkennt die Trennung der mekkanischen und medinensischen Suren, dass die ersten auf der artikulierten Annahme beruhten, Christen und vor allem Juden würden sich bekehren lassen, die letzteren hingegen waren die notwendige Konsequenz der Enttäuschung, als sich dies als Trugschluss herausstellte. Bei Luther wiederholt sich das mit den Juden noch einmal. Wie gewisse Antikapitalisten sich einen doppelten Marx herbeifantasieren, verfahren die liberalen Muslime mit einem doppelten Mohammed. In beiden Fällen wird versucht, in der Halbierung das Wahre offenzulegen. Der mekkanische Mohammed scheiterte und der liberale Islam versucht ihn zu retten. Dabei wird aber vergessen, dass auch der mekkanische Mohammed nichts Neues oder Progressiveres als das Christentum vertreten hat, und dass schon die Juden von Yathrib/Medina Mohammed mit Spott und Häme begegneten, da sie mit Leichtigkeit die schwachen bis schwachsinnigen Prämissen und Inhalte seiner politischen Theologie durchschauten. Dabei gehörten sie wahrlich nicht einmal zu den gewieftesten Theologen des Judentums, sondern waren oftmals eher Brauchtumsjuden. Allah jedoch, der sich nach Nachfragen der Umma-Gläubigen in der Regel durch Mohammed innerhalb eines Tages mit einer Offenbarung zurückmeldete, um Klarheit zu bringen, brauchte bezüglich der theologischen Fragen der Juden mehrere Wochen. Der Islam schleift ein reelles Sediment mit sich, das von Mohammed verschuldet wurde und das in Koran sowie Hadithen allzu greifbar ist. Die Reform des Islam als „Reform seiner Quellen“[40] könnte, wenn überhaupt, nur eine praktisch-materialistische sein, in dem Sinne, dass die Reformatoren wirklich einen neuen Koran herausbringen müssten, in dem die Stellen getilgt sind. Dies aber wäre ein dünnes Heftchen, das kaum mehr als Grundlage einer Religion dienen könnte. Stattdessen beziehen sich die Vulgärtheologen der neuen Moschee in ihren Freitagspredigten ganz munter auf die widerlichsten Suren aus Medina, von denen Ourghi im selben Moment behauptet, diese würden „absolut (!) nicht mehr zur heutigen Situation der Muslime“ passen.[41] Er wie auch Ateş können diesem Anspruch, das sollte an den obigen Beispielen deutlich geworden sein, überhaupt nicht gerecht werden, denn ihre eigenen Bezüge stammen in erheblichem Maße aus der medinensischen Epoche. Ourghi weiß das auch, und versucht, diese erhebliche Schwachstelle zu verarzten. So betont er zum einen „die Unterscheidung zwischen dem ethischen und dem politisch-juristischen Koran“ als „eine der wichtigsten Grundlagen für eine Reform des Koran und Wiederbelebung (?) des humanistischen Islam“, muss aber zum anderen eingestehen, „dass auch im medinensischen Koran einige ethische Suren zu finden sind.“[42] Da somit die Unterscheidung nach Offenbarungsort und -zeit nicht mehr möglich ist, wird der Willkür Tür und Tor geöffnet: „Islamisch (?) von der Vernunft zu sprechen bedeutet, dass sich der Muslim innerhalb seines Glaubens immer wieder gemäß seiner situativen Lebenswelt neu definiert und neu entdeckt.“[43] In diesem postmodernen-islamischen Habermasianismus verdoppelt sich der heutige Anspruch einer flexiblen Identität und zugleich das ihr entsprechende Eigeninteresse.

Die Frage wird sein, ob es überhaupt islamisch sein kann, was sie in der neuen Moschee vorhaben. Sie werden natürlich sagen: Ja. Aber wie alle liberalen Muslime vor ihnen und parallel zu ihnen, unter anderem die zahlreichen islamischen Feministinnen, beziehen sie sich auf Philosophie, da sie meist Sozialwissenschaftler und keine Theologen sind. Der konservative Gegner sowohl der fundamentalen als auch der liberalen Strömungen, Muhammad Sameer Murtaza, vermerkte, dass die liberale Strömung „keine theologische Auseinandersetzung mit dem Islam betreibt.“[44] Der personalisierte Mehrheitsmuslim schob die Frage nach: „Oder haben wir es mit einer bewussten Verchristlichung des Islam zu tun?“ Eben dies ist bei aller Bedenken, welche man bei der Person Murtaza haben muss, auch in Bezug auf Ateş´ Unterfangen eine berechtigte Frage. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre diese sogar größtenteils zu bejahen – mit der Einschränkung, dass die Verchristlichung eher bewusstlos erfolgt oder sogar ganz aktiv bestritten wird.[45] Unter anderem diese Bewusstlosigkeit aber drängt in die Defensive und hält davon ab, die Konsequenzen aus eigener Verfolgung und eigenem Leid, das von islamischer Seite zugefügt wird, auch formell oder konfessionell zu ziehen.

Mohammed war Islamist. Die Liberalen machen aus ihm einen verkappten Christen oder/und Lebensphilosophen, sind aber aus identitären Gründen nicht bereit, dies auch an sich selbst zu vollziehen. Wenn sie ihre inhaltlichen Bemühungen ernstmeinen und durchziehen, betreiben sie unerlaubte Bidʿa (Neuerung) und dann sind sie für den Mehrheitsislam längst Apostaten, denen Solidarität zuzusichern ist. Dennoch sind sie letztlich nicht bereit zum konsequenten Schritt der Ketzerei. Der einzige ernsthafte Einwand ist natürlich die enorme Gefahr, welche mit einer offenen Apostasie einhergeht. Aber die Reaktionen haben bewiesen, dass sie hochamtlich längst als Häretiker gelten. Sollen Linke und/oder Ideologiekritiker nun theologisch begründen, dass die Betroffenen doch Muslime seien? Selbst wenn man dazu bereit wäre, würde dies nicht einen, der einen Mordaufruf verfasst oder einen solchen befolgt, beeindrucken. Die Reformmuslime könnten, wenn man sich ihre Publikationen oberflächig anschaut, auch einfach Alltagschristen, Esoteriker oder gleich Agnostiker bzw. gläubige Atheisten werden, es würde inhaltlich kaum einen Unterschied machen.

„Eines der größten Probleme der Muslime ist, dass sie ihre eigene Religion nicht wirklich kennen“[46], meint Ateş und würde doch jede theologische Diskussion selbst mit halbgebildeten Muslimen verlieren. Sie selbst lernt erst jetzt gerade Arabisch und studiert Islamwissenschaften, nachdem sie oder während sie die Moschee gründete. Das heißt, sie will schon, bevor sie sich konzentriert mit den Inhalten auseinandersetzte, wissen, dass der Islam reformierbar sei. Absurd ist es zu behaupten oder zumindest zu suggerieren, die schweigenden Millionen Muslime hätten auf die Ibn-Rushd-Goethe Moschee gewartet. Diese Halluzination unterschlägt wie von selbst, dass es eventuell eben keineswegs nur Angst, sondern auch Inhaltsleere ist, die viele davon abhält, Mitglieder in der Gemeinde zu werden. Da Ateş ankündigte, diesem Projekt ihr Leben zu widmen, ist die Frage, ob es überhaupt möglich sei, psychisch längst beantwortet – es muss. Und dann tut es natürlich gut, wenn man Schreiben erhält, wie dasjenige eines Bernhard V. an Frau Ateş: „Unser großer Reformator wurde ebenfalls seinerzeit von mächtigen Fürsten mit dem Tode bedroht. Er musste sich deshalb auf die Wartburg flüchten.“[47] Und eine Frau P. schrieb: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es Menschen wie Sie in diesem Land braucht, um das Miteinander der Kulturen und Religionen hierzulande zu stärken und somit Vorurteilen und einer für jeden spürbar wachsenden Islamophobie entgegenzuwirken.“[48]

Ob der Reformislam mit irgendetwas konkurriert, ist keinesfalls ausgemacht. Am wahrscheinlichsten dürfte er eben nicht mit dem konservativen Islam, sondern zum einen mit irgendwelchen Eso-Varianten des Buddhismus, Lamaismus oder des Antirassismus in den Wettstreit treten und zum anderen, und dies im Besonderen, mit dem Zentralrat der Ex-Muslime, da er im Gegensatz zu diesem einen Weg liefert, wie man doch noch um jeden Preis in dieser Religion verhaftet bleiben kann.[49] Auf diese Weise würde er sich eher als Mittel im Kampf gegen die „Islamophobie“ etablieren. Und eben dann hätte der Reformislam potenziell sehr viel Leid auf sich genommen, um letztlich der Aufklärung und der Kritik des konservativen oder fundamentalistischen Islam einen Bärendienst zu erweisen.

Paulette Gensler

Der Text bezieht sich auf die bis Ende August 2017 verfügbaren Veröffentlichungen der Ibn-Rushd-Goethe Moschee.

    

[1]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/praeambel/


[2]http://www.muslimisches-forum-deutschland.de/_PDF/Muslimisches-Forum-Deutschland-Gruendungserklaerung.pdf


[3]https://www.welt.de/politik/deutschland/article167816938/Solche-Attentate-haben-durchaus-etwas-mit-dem-Islam-zu-tun.html


[4]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/unsere-gebete-sind-bei-den-opfern-des-terrors-von-barcelona-und-deren-angehoerigen/


[5] Abdel-Hakim Ourghi: Reform des Islam: 40 Thesen, Claudius-Verlag 2017 S. 11ff. Es dürfte nicht allzu penibel sein, darauf hinzuweisen, dass ihm, dem Islamwissenschaftler und Religionspädagogen, in seinem Werk massive Formfehler unterlaufen sind. Quellenverweise sind teilweise schlichtweg falsch. So verwechselt er in einigen Fällen die Verse („Koran 63:11, statt 63:1; S. 108 seines Buches) oder gleich die Sure mit dem Vers („Koran 21:33“ statt 33:21, s. S. 120). Dies ist nur der erste Hinweis darauf, dass das von Ourghi beworbene „individuelle Räsonieren“ (S.65), für das er sich auf Kant beruft, bei jenem völlig zu Recht als bloßes “Vernünfteln“ abgetan worden wäre.


[6] A.a.O. S. 31, 209, S. 59f, S. 163, 222


[7] Berlin 2017 S. 15, 246, 17


[8] Mimoun Azizi: Warum wir unsere Moschee nach Ibn Rushd und Goethe benannt haben. In: Ateş, S. 280, Vgl auch: Ateş, S. 266


[9]Über Ibn Rushd gibt es dies von einem „Anonymen Autoren“: https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/wer-war-ibn-rushd/


[10]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/praeambel/


[11] So strich er das Wort Fanatismus gleich aus dem Titel.


[12] Johann Wolfgang Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. In: Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Münchner Ausgabe. Herausgegeben von Karl Richter in Zusammenarbeit mit Herbert G. Göpfert, Norbert Miller und Gerhard Sauder. Band 16. Herausgegeben von Peter Sprengel. München – Wien 1985, S. 672 Im Stück Voltaire begreift Mohammed am Ende, dass er ein theologischer Betrüger ist, und fordert deshalb die (gewaltsame) Verbreitung der Lehre: „Je dois régir en Dieu l’univers prévenu: Mon empire est détruit si l’homme est reconnu.“


[13] Heine griff dies in seinen Reisebildern ebenso ironisch auf: „Die Dame war so gütig, auch mich in dieses ästhetische Gespräch zu ziehen, und fragte: »Doktor, was halten Sie von Goethe?« Ich aber legte meine Arme kreuzweis auf die Brust, beugte gläubig das Haupt, und sprach: »La illah ill Allah, wa mohammed rasul Allah!«“


[14] Johann Wolfgang von Goethe: Berliner Ausgabe. Poetische Werke [Band 1–16], Band 3, Berlin 1960 ff, S. 161-320


[15]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/vortrag-grundlagen-verfaelschung-und-aktuelle-problematik-des-islam/


[16] Die „Islamische Zeitung“ hat eine eigene Rubrik namens „Goethe“. (https://www.islamische-zeitung.de/thema/goethe/) Auch das Lebenswerk der Katharina Mommsen würde hierbei eine konzentrierte Betrachtung vertragen. Wer sich anschauen möchte, wie die angebliche Islamophilie Goethes zu einer Gleichsetzung von Juden und Muslimen, zu einer Verteidigung Annemarie Schimmels und ähnlichen Absonderlichkeiten herangezogen wird, lese das Nachwort Peter-Anton von Arnims zum Werk Mommsens „Goethe und der Islam“: „Ein deutscher Islam kann aber nichts anderes sein als ein Islam im Verständnis Goethes, das heißt ein Islam, in welchem die Werte der Toleranz, wie Goethe sie einst in den Lehren des Propheten Mohammed erkannt hat, wieder an oberster Stelle stehen.“ Einsehbar hier: http://www.ibn-rushd.org/forum/Goethe.htm


[17] Necla Kelek, Himmeslreise. Mein Streit mit den Wächtern des Islam, München 2011 S. 250


[18]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/wer-war-ibn-rushd/#more-173


[19] Dies aber ist eher Beleg dafür, dass der radikale Materialist Ibn Rushd versuchte, mit dem Koran auf instrumentelle Weise für die Vernunft zu streiten. Dass er scheiterte, sollte eine Warnung sein, die Liberalen aber wiederholen seine – den Umständen geschuldeten - Fehler, anstatt auch nur ansatzweise aus diesen zu lernen.


[20]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/praeambel/


[21] Rumis Quatrain Nr. 1173


[22] „Dschihad bedeutet nämlich eigentlich (?) nicht Heiliger Krieg, sondern dass der Mensch sich anstrengen möge, das Bestmögliche zu erreichen, seine innere Kraft zu entfalten.“ (Ateş, S. 70) Im Koran bedeutet es immer bewaffneter Kampf. Es dauerte lange bis es zögerliche Anstrengungen gab, den Begriff zu erweitern, was vor allem bedeutete, die Islamisierung nun noch mehr aufs Innere zu beziehen. Ateş hingegen ruft nun relativ explizit zum reformistischen Gegen-Dschihad auf, wobei sie sich natürlich auf eine gewisse Tradition berufen kann – man denke nur an die selbsternannten Gender-Dschihadistinnen. 


[23] Rumi selbst gehörte vorerst dem Kubrawiyya-Orden an, der maßgeblich für die reelle Subsumtion Indiens, Pakistans und Indonesiens unter den Islam verantwortlich war. Auch die Bektashi-Derwische lebten in der Regel in der Nähe der Janitscharen, um deren religiösen Fanatismus zu wecken und aufrecht zu erhalten, was unter anderem ein Grund war, aus dem Atatürk die Derwisch-Orden ebenfalls verbieten ließ.


[24] Man könnte eventuell den Fokus auf die Liebe als christliches Element lesen, zumal Jesus oder Isa in vielen sufistischen Strömungen als „Prophet der Liebe“ gilt, und auch Rumi um die 80 Gedichte über Jesus verfasste.


[25] „Ich bin Gott! Das ist es, was wir hören wollen! Und trinke! Werde trunken von diesem Wein,

den du selbst im Paradies nicht finden wirst.“ Gerade hier betrachte man, was ʿOmar Chayyām, dem nicht ohne Grund die Anerkennung bis heute meist verwehrt wird und der kaum welche seiner Gedichte veröffentlichen konnte, schon grob 150 Jahre zuvor verfasste. Nicht zufällig sind heutzutage einige der wenigen Nachtclubs im persisch-sprachigen Raum nach ihm benannt. Seine bekannt gewordenen Gedichte musste er meist widerrufen, nachdem bekannt geworden war, dass er wirklich das Getränk meinte und „Wein“ keinesfalls metaphorisch im Sufi-Sinne verwandte. In der Folge verfasste er dann auch ein paar islamfreundliche Hymnen. ʿOmar Chayyām war ein wesentliches Vorbild für den persischen Dichter Hafis, der aber nie die Schärfe seines Vorgängers erlangte, im Gegensatz zu diesem aber seinen Platz im „Siebengestirn“ der persischen Dichter erhielt.


[26] https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/wer-war-ibn-rushd/#more-173 Dies aber ist eher Beleg dafür, dass der radikale Materialist Ibn Rushd versuchte, mit dem Koran auf instrumentelle Weise für die Vernunft zu streiten. Dass er scheiterte, sollte eine Warnung sein, die Liberalen aber wiederholen seine – den Umständen geschuldeten - Fehler, anstatt auch nur ansatzweise aus diesen zu lernen.


[27] Ateş a.a.O. S. 34 u. 68


[28]http://www.bild.de/politik/ausland/terroranschlag/das-isis-bekennerschreiben-im-wortlaut-43402176.bild.html


[29] Ourghi a.a.O. S. 18, 23 39. Vgl auch diesbezüglich die programmatische Aussage Ourghis: „Durch die ganze Frühgeschichte des Islam zieht sich das Phänomen der Gewalt. Zu fragen, welcher Seite die Schuld an den mitunter äußerst grausam geführten Auseinandersetzungen zukommt, ist dem objektiven Verständnis dieser Ereignisse eher hinderlich.“ (ebenda S. 211) So spricht nur ein Liebhaber Mohammeds, der weiß, dass sein Objekt der Begierde nicht allzu gut bei einer solchen Betrachtung wegkäme.


[30]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/freitagspredigt-18-8-2017/#more-233


[31] Meir J. Kister: The Massacre of the Banū Quraiẓa: A re-examination of a tradition. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 8 (1986). S. 61–96.


[32] Wenn Ateş schreibt, dass die Muslime sich nur zur Wehr setzten, und gleichzeitig die „Notwendigkeit“ rechtfertigt, „das eigene Überleben durch Raubzüge zu sichern, in Zeiten in denen es keine andere Einnahmequelle gab“ (Ateş, S. 68), unterschlägt sie, dass weniger das Überleben als vielmehr die Sehnsucht nach Reichtum die Grundmotivation war, und dass es für Mohammed und seine Gang unter ihrer Würde war, in Medina für Juden zu arbeiten. Die Beute- und Tributökonomie des Islam wird umgemogelt zu einem Überlebenskampf. Aber nur aus Chaibar allein hatte Mohammed persönlich jährliche Revenuen von 20.000 bis 30.000 Wasq Datteln und Weizen; einen Wert zwischen 3900 Tonnen und 5850 Tonnen. Einkünfte dieser Art und Höhe waren es, die die Araber den praktischen Wert dieser neuen Religion erkennen ließen.


[33]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/freitagpredigt-21-07-2017/


[34]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/freitagspredigt-18-8-2017/#more-233


[35] Ourghi a.a.O., S. 49, 84, 90, 97, 129ff, 135 und Ateş a.a.O. S. 118f


[36] Ebenda S. 115 u. 97)


[37] Horkheimer. GS Bd. 7 Frankfurt am Main 1985 S. 141 


[38] Vgl auch: Maxime Rodinson: Islam und Kapitalismus. S. 118ff


[39] Vgl. Ourghi a.a.O. S. 88


[40] Ourghi a.a.O. S. 23


[41] Ebenda S. 88


[42] Ebenda S. 86)


[43] Ebenda S. 135)


[44]http://islam.de/20577


[45] Ateş a.a.O. S. 33


[46]https://www.goethe.de/ins/it/de/kul/sup/gwr/nth/20992898.html


[47]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/freundliche-nachrichten-an-die-moschee/#more-200


[48]https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/freundliche-nachrichten-an-die-moschee/#more-200


[49] Das falsche Rumi-Zitat, das anscheinend zum Motto auserkoren wurde, belegt diesen Anspruch gut: „Komm! Komm! Wer du auch bist! Wenn du auch Götzendiener oder Feueranbeter bist. Komm wieder! Dies ist die Tür der Hoffnung nicht der Hoffnungslosigkeit. / Auch wenn du Tausendmal dein Versprechen gebrochen hast. / Komm! Komm wieder!“ (https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/praeambel/) Besser könnte man die Missionierung, zu der sich die Liberalen nie dezidiert äußern, und vor allem den Anspruch der Zurückholung von Ketzern in die Umma kaum ausdrücken. Mit der Annahme von Konversionen haben sie hingegen schon begonnen: http://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/dieser-berliner-konvertierte-als-homosexueller-zum-islam


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