Desmond kniete über einem großen Kreis aus Kreide, den er in den letzten Stunden in reiner

Handarbeit gezogen hatte. Seine Knie taten weh, sein Arm schmerzte noch

von dem Ritual vor einigen Tagen und den Boden von Spuren zu reinigen

war auch sehr kompliziert gewesen. Nun musste er diesen Beschwörungskreis ziehen, damit er mit seinen Vorgesetzten kommunizieren konnte. Diese waren leider gerade in Indien, folglich musste er über die Distanz mit ihnen reden. Die Gebäudepläne die er ausgearbeitet hatte mussten von ihnen abgesegnet werden und auch einige der Entwicklungen mit dem Siegel mussten besprochen werden. Er war nahezu fertig, der Kreis war vollendet, es fehlten nur noch die richtigen Stoffe um nicht jemanden zu beschwören, sondern sich selbst als Illusion nach Indien zu projizieren. Desmond hielt sich bei der Auswahl an ein altes Buch, das

er in der Staatsbibliothek gefunden hatte, und dann heimlich mitgehen hatte lassen. Ein Großteil der Menschen hätten es nur für ein einfaches Kochbuch gehalten, doch er hatte sehr schnell die Zusammenhänge verstanden und konnte mittlerweile das Buch lesen als wäre es unchiffriert in feinstem Englisch geschrieben. Er platzierte die letzte Zutat, ein Gramm Quecksilber, im eigenen Schutzkreis und begann dann die Beschwörung. In seinem Schutzkreis war er vor astralen Wesen geschützt, sobald er ihn jedoch physisch verlassen würde, würde er vollkommen verwundbar sein. Fall jemand während der Zeit, in der er astral in

Indien war sich ihm nähern würde, würde er es nicht merken. Deshalb hatte er schon vor einigen Tagen den Nachbar Bescheid gesagt ,dass er für einige Tage außer Lande sei, um Nachforschungen anzustellen. Auch an seiner Tür waren dies besagende Schilder aufgehängt um sicher zu gehen, dass die Täuschung perfekt war.


Kurz nachdem Desmond begonnen hatte den Spruch zu wirken, spürte er wie sich auf ein mal ruckartig sein Körper von seinem Geist trennte und er fortgerissen

wurde. Seine Seele flog über weite, ausgestorbene Gebiete, aber auch einige Städte erschienen unter ihm. Er konnte sie nicht beachten. Seine Augen konnten sich nicht von seinem Ziel abwenden. Er spürte keinen Widerstand auf der Reise, die ihm Stunden zu dauern schien, und doch war er nach weniger als einer Sekunde im Arbeitszimmer seines Vorgesetzten, Lord Geraint Kennington. Das Arbeitszimmer war im typisch englischen Stil eingerichtet und Lord Kennington saß zusammen mit seinem Sekretär an dem schweren Schreibtisch und brütete über einigen Unterlagen.


Desmond räusperte sich und der Mann sah ein wenig verwundert auf.
 

"Oh,

Willkommen. Ich hatte sie nicht so früh erwartet. Berichten sie mir

doch bitte wie ihre Entwicklungen voran gingen, und wie ihr Treffen mit

Miss Kelsey verlaufen ist. Ich hoffe positiv. Aber wo bleibt meine

Erziehung. Verschnaufen sie erst einmal ein wenig nach dieser

aufregenden Reise. Ich hoffe Istanbul hat ihnen gefallen. Eine wirklich

wunderbare Stadt. So wild und brodelnd, und doch irgendwie sehr

geziemlich."


Der Mann deutete spielerisch auf einen Stuhl, der vor Desmond stand, in gewisser Weise eine sehr ironische Geste da

Desmond seit Jahren bei sämtlichen Gesprächen immer stand und er in

dieser Form noch weniger in der Lage war sich zu bequemen.


"Das Treffen mit Ms. Kelsey verlief leider sehr... unvorteilhaft. Sie war

eine Spürkraft der Inquisition. Ich musste sie leider opfern, da sie in

jeder anderen Form sehr gefährlich für die Sache hätte werden können.

Der Rest meiner Forschungen verlief jedoch wie sie sehen sehr gut. Die

Reise-Theorie, die sie aufgestellt haben trifft wirklich zu. Auch wenn

die Ausführung in meinem Werk sehr zielgerichtet zu sein scheint. Ich

hatte keine Möglichkeit von meinem Ziel abzuwenden. Wahrscheinlich zu

meinem Vorteil, weil ich auch schon gehört habe, dass es möglich ist,

auf solchen Reisen verloren zu gehen. Vor allem auf dem Weg durch die

Sibirischen Steppen sollen viele gute Männer verloren gegangen sein.

Aber zurück zu den Forschungen."


Nun folgten einige Skizzen und auch Baupläne, die er durch Konzentration beschwören konnte. Er

hatte nur für diese Klausel des Kreises ungefähr 5 Stunden gebraucht, um

sie fehlerfrei festzusetzen, und ohne ein Opfer nutzen zu können. Auch

einige Bilder des Siegels, das immer noch in seiner Wand zu sehen war,

wurden übermittelt und die neusten Erkenntnisse über das seltsame

Gebilde weitergegeben. Der Lord stellte nur wenige aber dafür sehr

bedeutsame Fragen und sandte seinen Schreiber einmal fort um sich etwas

nieder zu schreiben. Nach ungefähr drei bis vier Stunden, Desmond

konnte es nicht genau sagen, entließ ihn der hohe Lord und Desmond

reiste wieder in einem Sekundenbruchteil zurück in seinen dunklen

Keller.


Er war sehr erschöpft, fühlte sich als ob sein Körper für nicht komplett ihm gehöre. Doch nach einigen Minuten in seiner

eigenen Haut verflog das Gefühl langsam wieder und er wagte es wieder

sich aufzurichten. Er sah sich um. Nicht hatte sich verändert. Er trat

aus dem Schutzkreis, nahm einen Schluck aus einer bereitgestellten

Wasserflasche und zerstörte dann mit seinem Schuh den Bannkreis, der nun

für den Moment nicht mehr gebraucht wurde.


Er würde diesen Kreis in ähnlicher Form noch einmal zeichnen müssen, doch hatte dies

ungefähr einen Monat Zeit. Also nahm er einen Eimer Wasser und schrubbte

innerhalb von wenigen Minuten das Werk der letzten zwei Tage hinfort.


Magie war ein anstrengendes Geschäft, aber ungemein profitabel.