Pausen
 
Wenn der Wecker aus der Hölle seinen

Abgesang erklingen lässt, um uns aus dem wohl verdienten Schlaf zu
reißen ist die oft verpönte Schlummertaste, auch Snooze-Taste im
„denglischen“ Anglizismus, die letzte Bastion sich noch ein paar
Minuten im gesegneten Reich der Daunenfüllung zu vergnügen.
Diejenigen, die auf mich Schlummertastenmarathonisten herabschauen
haben in der Argumentation verschwendeter Zeit vollkommen recht.
Diese Zeit nicht zu nutzen und einem halbgaren Stück Schlaf
hinterher zu jagen ist eine invalide Verteidigung. Doch immerhin soll
das hier ein Plädoyer zur Aufwertung des Aufschubs werden, also hoch
die Tassen und entspannen! Etwas aufzuschieben aufgrund von
angehäufter Arbeit oder weit umfassenden Aufgaben kann etwas
befreiendes sein. Im Rahmen der Besinnung verfällt die zukünftige
Aktion in ein Schema des luziden Fokus, alsbald man diese Phase nutzt
ein Resümee zu ziehen. Die latente Faulheit hinter der
Prokrastination ist ein Grundbedürfnis, dass nach Erfüllung lechzt.
Doch sich in der zukünftigen Vergangenheit zu verstecken ist und
bleibt kontraproduktiv. Der Aufschub ist ein sinnvoll zu verwaltender
Mechanismus. Organisiert in einem nach Aufgabengröße und -vielfalt
erbauten Pausenzyklus weist sich die „gewonnene“ Zeit perfekt zur
Selbstreflexion aus. Der Trick dahinter, sich erzwungene oder
opportunistische Rast zu gewähren, ist sich die richtigen Fragen vor
Augen zu führen. Diese betreffen keineswegs nur das anstehende oder
derzeitige Projekt. Denn in Zeiten der Aufruhr ist es ungemein
zuträglich sich der Gesamtheit seiner Taten bewusst zu werden. Schon
die fünf Minuten am morgen, bis der Wecker wieder klingelt reichen
aus, sich den gestrigen Tag noch einmal durch den Kopf gehen zu
lassen und den heutigen schrittgerecht zu koordinieren. Weitere fünf
Minuten streichen durch die Lande aus Federn von Decke und Kissen.
Der Alltag baut sich langsam auf und das Mosaik aus Verpflichtungen
gegenüber sich selbst und anderen wird immer klarer. Sollte die
Kaffeemaschine zur Lebensader mancher gehören sei es gewiss kein
Fehler mit dem ersten Schritt aus dem Bett diese zu bedienen. Mit
der gewonnenen Besinnung des lukrativ evozierten Aufschubs ist das
kein Problem mehr. Nun, da man kurz davor steht den Tag, oder das
Projekt, zu beginnen, beziehungsweise fortzuführen, vergleicht man
was bestenfalls geschieht mit dem größten anzunehmenden Unfall. Ein
gefördertes Bewusstsein von Scheitern und Erfolg entgegnet dem
anzutretenden Fall mit gewissenhaftem Optimismus, im Anbetracht der
langfristigen Zielerfüllung.


Fazit: Egal ob nach der Schlummertaste
oder in der Kaffeepause, auf Arbeit oder zuhause, vor einem
kurzfristigen Scheitern oder kleinem Erfolg, jede Prokrastination
sollte eine Phase des ausgeprägten Selbstreflexionsmoment sein.





In dem Sinne,


Viva la Prokrastination!